Vereinschronik

Gegen Ende des Jahres 1923 machten es sich einige Männer des Arbeitergesangvereines "Vorwärts" zur Aufgabe, innerhalb des Gesangkörpers eine Musikerabteilung (Blasmusik) ins Leben zu rufen. Zwölf bis fünfzehn daran interessierte Sänger lernten schon fleißig über die Wintermonate Noten zu lesen. Während dieser Zeit wurden auch Gelder aufgetrieben und durch freiwillige Spenden gesammelt. Mit vollem Ernst in die Tat umgesetzt war es tatsächlich gelungen, schon am 09. Mai 1924 eine komplette Instrumentenausstattung an junge Sänger des Vereins abgeben zu können.



Als 1. Dirigent wurde Herr August Fock aus Karlsruhe verpflichtet, der sich jedoch in keiner Weise bei den jungen Musikern durchsetzen konnte. Nach kurzer Zeit kam Herr J. Götz, auch aus Karlsruhe, der es tatsächlich zu Wege brachte, das Orchester nach einem Jahr Probearbeit auf eine beachtliche musikalische Höhe zu bringen. Es war der jungen Kapelle durch fleißiges Üben gelungen, fast alle hiesigen Vereinsveranstaltungen zu spielen. Mit der Zeit gab es zwischen den älteren Sängern und den Musikern Differenzen und Unstimmigkeiten, die mit den Jahren soweit führten, dass die Kapelle im Jahre 1927 auf eigene Füße gestellt wurde und die vorhandenen Instrumente in großzügiger Weise gegen ein gewisses Entgelt dem nun jungen Arbeitermusikverein zugesprochen wurden.

Zu neuen Taten angespornt, machte der junge Verein in jeder Hinsicht gute Fortschritte und konnte seine aktiven Musiker schon bald auf rund 20 Mann erhöhen. Der Grund der Leistungssteigerung war natürlich dadurch gegeben, dass von der Gegenseite im Jahre 1925 ein zweiter Musikverein ("Harmonie") gegründet wurde. Durch die Machtübernahme des dritten Reiches wurde, wie alle Arbeitervereine, auch der Arbeitermusikverein aufgelöst, sein Inventar eingezogen und zum Teil sogar vernichtet. Man einigte sich dann der Not gehorchend auf einen Zusammenschluss mit dem Musikverein "Harmonie". Dadurch erhielten wir auch unsere Instrumente wieder zugesprochen und waren nunmehr mit 30 Musikern eine sehr starke und ansprechende Kapelle.

Bei Ausbruch des Krieges 1939 musste natürlich auch von den Musikern der größte Teil einrücken, so dass der Spielbetrieb innerhalb des Vereins fast ganz eingestellt werden musste.
Im Jahre 1946 erwachte wieder der Wunsch, den Probenbetrieb des Musikvereins ins Leben zu rufen und zwar ohne Dirigent, da hierfür ja noch kein Geld vorhanden war. In großzügiger Weise stellte Herr Hauptlehrer Alfons Knaupp sich dem Musikverein zur Verfügung und übernahm ohne jede Vergütung die Stabführung der Kapelle. Noch ein Teil der heutigen Aktiven konnte den völligen Neuanfang damals miterleben.
Diesen Neuanfang hat der Musikverein dem unvergessenen Max Grether zu verdanken. Unter seiner Vorstandschaft hat er Beispielhaftes für die Blasmusik und den Musikverein Neureut geleistet. Es war mit sein Verdienst, daß man im gleichen Jahr noch das erste Konzert unter dem ehrenamtlichen Dirigenten Alfons Knaupp veranstalten konnte.

Im Jahre 1948 kam dann Helmut Schempp aus der Gefangenschaft zurück. Herr Knaupp übergab dem jungen Talent Schempp die Direktion der Kapelle, der sich dann mit seinem ganzen musikalischen Können in den Dienst der Sache stellte.
Es waren auch für den Verein harte Jahre, die selbst den aktiven Musikern große Opfer abverlangte. Aber durch fleißigen Spielbetrieb erschaffte sich der Verein wieder eine solide finanzielle Grundlage und stellte sich von Jahr zu Jahr auf eine höhere musikalische Stufe, die zu mehreren beachtlichen Erfolgen bei Wertungsspielen führte.
Dass immer wieder begeistert musiziert wurde, ist nicht zuletzt ein Verdienst von Ehrendirigent Heini Weyh, der 1956 die musikalische Leitung übernommen hatte und es hervorragend verstand, neben Dirigent auch Musikkamerad zu sein. Seinem musikalischen Können und seiner Umsicht war es zu verdanken, dass auch die schwierigsten Krisen in der Besetzung der einzelnen Register gemeistert wurden.
In den Jahren 1961 bis 1967 führte die Geschicke des Vereins Herbert Knaupp. Die durch seine Initiative gegründete Schülerkapelle, die seinerseits unter der Leitung von Heinrich Früh stand und immerhin 60 Jugendliche aufwies, sicherte den Fortbestand des Musikkörpers auf Jahre hinaus.
1967 trat ein Wechsel in der Vereinsführung ein. Der aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidierende 1. Vorsitzende Herbert Knaupp übergab die Vereinsleitung an seinen Bruder und bis zu diesem Zeitpunkt 2. Vorsitzenden Manfred Knaupp. Unter seiner Leitung wurde 1973 ebenfalls eine Schülerkapelle gegründet, deren Ausbilder und Leiter der heute noch aktive Musikkamerad Karl Heinel war. Somit war eine weitere kontinuierliche Entwicklung des Musikkörpers gewährleistet. Auch die Gründung eines Akkordeonorchesters gehörte in diese Ära.

Zu einem großen Ereignis wurde im Jahre 1974 das vier Tage dauernde 50-jährige Jubiläumsfest, verbunden mit dem Bezirksmusikfest "Untere Hardt", an dem zahlreiche Musikkapellen teilnahmen.
Die Generalversammlung 1977 brachte durch den Wegzug von Manfred Knaupp einen neuen Wechsel in der Vereinsführung. Der bisherige Kassier und Organisator des Vereins, Walter Nagel, wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die bereits bestehende Schülerkapelle wurde Dank der Initiative von Vorstand Nagel sowie Jugendleiter Karl Heinel durch gezielte Werbung kontinuierlich ergänzt, da durch die Übernahme der ausgebildeten Jungmusiker in das große Orchester hier Nachholbedarf bestand. Durch diese Übernahme konnte das Orchester die stolze Anzahl von 40 Aktiven vorweisen.
In die Ära von Walter Nagel fiel auch das 60-jährige Vereinsjubiläum, das, verbunden mit dem 1. Bezirkskonzert des Stadtbezirks Karlsruhe, am 13. Oktober 1984 in der Badnerlandhalle in Neureut gefeiert wurde.
Am 01. März 1985 wurde durch die Generalversammlung der bisherige Vizevorstand Siegfried Knaupp zum 1. Vorsitzenden gewählt; Karl-Heinz Griesbeck zu seinem Stellvertreter. Bereits ein Jahr später stand wieder ein Jubiläum ins Haus. Es war dies das 30-jährige Dirigentenjubiläum von Heini Weyh, das am 11. Mai 1986 in der Badnerlandhalle begangen wurde. Das Jubiläumskonzert wurde gestaltet vom Musikverein Neureut, sowie der Kapelle des Musikvereins "Lyra" Eggenstein, dessen musikalischer Leiter (sozusagen in einer Doppelfunktion, aber ohne Terminüberschneidungen) Heini Weyh von 1958 bis 1968 war. Als höchste Auszeichnung erhielt Heini Weyh an diesem Abend die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, sowie die silberne Verdienstnadel des BdBV. 
Von 1987 an übernahm, wegen gesundheitlicher Probleme von Heini Weyh, der bisherige Vizedirigent und langjährige Aktive Manfred Knaupp die Leitung des Orchesters. Heini Weyh wurde in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrendirigenten ernannt.

Bei der Jahreshauptversammlung am 22. Februar 1991 übergab Siegfried Knaupp die Vereinsführung an Roland Rink, der seit der Jahreshauptversammlung 1989 als 2. Vorsitzender in der Vereinsleitung tätig war. Als sein Stellvertreter wurde Lothar Stolz gewählt.
Das Muttertagskonzert war und ist immer der musikalische Höhepunkt im Vereinsleben des Musikverein Neureut. Es bildet aber auch die entsprechende Kulisse für Ereignisse innerhalb des Vereins, wie z.B. Ehrungen durch den Verein bzw. Verband, Ernennungen und Verabschiedungen. So bildete auch das Konzert 1993 den würdigen Rahmen für ein Ereignis besonderer Art. Unter dem Motto "Dankeschön Manfred Knaupp - Willkommen Andreas Hack" fand ein Wechsel in der Leitung des Orchesters statt. Manfred Knaupp wurden an diesem Abend mehrere Ehrungen zu Teil. So erhielt er u.a. die goldene Ehrennadel der CISM, die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, sowie die Ehrenmitgliedschaft im Musikverein Neureut.

Im Jahre 1992/1993 konnte sich der Musikverein Neureut zusammen mit den Gesangvereinen "Vorwärts", "Edelweiss", "Liederkranz Nord" und "Liederkranz-Sängerbund Süd" im ehemaligen Saal des Gasthauses "Lamm", der bis dahin als Notkirche der Kath. Kirchengemeinde Neureut genutzt wurde, durch viel Eigeninitiative ein Domizil für die Vereinsarbeit schaffen, das am 22. Oktober 1993 feierlich eingeweiht wurde und somit auf Jahre hinaus eine kontinuierliche Probenarbeit gewährleistet.